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Negativzinsen: Der Preis des Geldes fällt und fällt

Banknoten - European Central Bank - CC BY-SA 3.0
Banknoten - European Central Bank - CC BY-SA 3.0
Was Sparern und Lebensversicherern gar nicht gefällt, lässt Kreditnehmer jubeln: Niedrig- oder sogar Negativzinsen.

April 2015: Aufgrund der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank kommt es zu einer absurden Situation. Bankkunden kassieren für das Geldausleihen, solche Fälle sind aus Spanien und Portugal bekannt, ermöglicht wird das durch Negativzinsen.

Gutschriften für einen Kredit, wie geht das?

"Das ist ein Stück Finanzgeschichte", zitiert das "Wall Street Journal" (WSJ) einen enthusiastischen Bankkunden aus Madrid, der seinen Auszug einrahmen möchte, auf dem zu lesen ist, dass ihm seine Bank Zinsen für sein Darlehen bezahlt. Dieser Kunde hatte einen Kredit bei der Bankinter (= börsennotierte spanische Universalbank) aufgenommen und bekommt nun dafür Geld gutschrieben, seine Schulden schrumpfen somit. Der Grund für die Gutschrift liegt in einem negativen Referenzzinssatz, dem Franken-Libur. Allerdings handelt es sich hierbei um einen speziellen Ausnahmefall, von dem die meisten Kunden nicht betroffen sind. Quelle: „Spanische Bankinter zahlt bei Darlehen drauf“ (n-tv)
Auch in Dänemark haben einzelne Kreditnehmer eines Kronenkredits (Häuselbauer) eine Zinsgutschrift für ein Jahr erhalten. Diese spektakulären Einzelfälle haben sich in der Praxis aber nicht verbreitet, sie fallen wohl eher in die Kategorie „Marketing-Gag“.

Auch der Bund macht es vor

Mit dem Geldausborgen noch etwas verdienen, das gilt auch für Deutschland: Nimmt die Bundesrepublik über Staatsanleihen Geld auf, geben sich Anleger vorübergehend mit negativen Renditen zufrieden, sie akzeptieren somit, dass am Ende der Laufzeit weniger zurückbezahlt wird, als sie verliehen haben. Das klingt paradox, ist allerdings schon Realität geworden.

Fehlende Gesetze

Die Entwicklung, dass das Geldausleihen belohnt wird, erschüttert die Grundzüge von Geschäftsmodellen, denn Zahlungsströme werden bei negativen Kreditzinsen umgekehrt. Blickt man auf den Paragraf 488 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, liest man dort: "Der Darlehensnehmer ist verpflichtet, einen geschuldeten Zins zu zahlen und bei Fälligkeit das zur Verfügung gestellte Darlehen zurückzuzahlen." Die Situation von Negativzinsen wird dabei nicht erwähnt, unsere Gesetze sind auf diesen Fall also nicht ausgelegt.

Die Zinslatte Euribor ist unter Null, aber private Kreditnehmer hierzulande profitieren kaum davon.

 

Der Euribor-Zinssatz ist jener durchschnittliche Zinssatz, zu welchem sich die meisten Europäischen Banken (Panel-Banken) einander Anleihen gewähren. Dieser Referenzzinssatz ist von der Laufzeit des Darlehens abhängig. Für Kreditverträge mit privaten Kreditnehmern verwenden Banken häufig den 3-Monats-Euribor als Berechnungsgrundlage des variablen Zinssatzes (Euribor-Zinssatz plus 0,5 bis 2% Aufschlag als Marge für die Bank).
Unter anderem weil die Deutschen und Österreicher dazu tendieren, Risiko zu vermeiden, wurden in diesen Ländern hauptsächlich feste Zinssätze bei Krediten vereinbart. Von den Niedrig- oder Negativzinsen profitieren diese Kreditnehmer somit kaum.
Aber auch bei variablen Zinssätzen gibt es Probleme: Obwohl im April 2015 die Zinslatte Euribor erstmals ins Negative gerutscht ist und nach vor dort ist, setzen die meisten Banken für die Berechnung des Kreditzinses die Messlatte Euribor bei null an und geben somit nicht den gesamten Zinsvorteil an den Kreditnehmer weiter. Die Marge der Banken erhöht sich damit, Verbraucherschützern ist das ein Dorn im Auge.

Bis vor einigen Jahren waren negative Zinsen unvorstellbar, aus diesem Grund wurden diese in den Kreditverträgen nicht explizit erwähnt. In Österreich strengt der VKI (Verein für Konsumenteninformation) deshalb eine Verbandsklage an, damit Banken den Zinsvorteil auch an Kunden weitergeben. Ein rasches Urteil wird allerdings nicht erwartet, denn der VKI rechnet damit, dass der Prozess alle Instanzen durchlaufen wird. Es bleibt spannend. Mehr Infos dazu bei der Tageszeitung Kurier.

Niedrige Zinsen – auch eine Falle

Billiges Geld birgt die Gefahr in sich, dass sich Kreditnehmer mehr Geld ausleihen, als sie sich tatsächlich leisten können. Überschuldung und Rückzahlungsunfähigkeit bergen große Gefahren. Speziell bei langen Laufzeiten mit geringeren Raten, denn wer weiß, wie sich das Zinsniveau in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird? Da kann die Rate, die jetzt bei den Niedrigzinsraten gerade noch abgestottert werden kann, in Zukunft zu einem Problem werden.

Sofortkredite mit einer kürzeren Laufzeit

Vom billig verfügbaren Geld profitiert man mit mehr Sicherheit, wenn die Laufzeit unter 10 Jahren bleibt und man einige Regeln vor dem Abschluss berücksichtigt. So gewähren Banken meist bessere Konditionen, wenn man mehr Sicherheiten bietet, wie zum Beispiel einen zweiten Kreditnehmer (Partner). Auch die Möglichkeit einer rascheren Tilgung (sollten Sie unerwartet zu höhere Einnahmen haben) sollte vereinbart werden, denn diese Option kann im Fall des Falles Ihre Gesamtkosten erheblich senken.
Die wichtigste Regel für Kreditnehmer ist ein umfassender Anbieter-Vergleich, denn die Konditionen sind erstaunlicherweise doch recht unterschiedlich.

Kreditkosten - (c) Zerbor - Fotolia / Zum Vergrößern auf das Bild klicken
(c) Zerbor - Fotolia

Tipp:
Mit Hilfe des effektiven Jahreszinses können Kreditangebote mit gleicher Zinsfestschreibungsdauer verglichen werden. Mit der Berücksichtigung von Tilgungsverrechnung, Bearbeitungs- und Darlehensgebühren sowie der Art der Tilgungsverrechnung dient der effektive Jahreszins dazu, unterschiedliche Kreditangebote miteinander vergleichbar zu machen. Bitte beachten Sie allerdings, dass im Effektivzinssatz keine Taxkosten oder Wertermittlungsgebühren, Bereitstellungszinsen, Teilauszahlungszuschläge sowie Kontoführungsgebühren enthalten sind. Um Angebote objektiver vergleichen zu können, sollten diese Werte mitberücksichtigt werden!

[Red., Dez. 2015]

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