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Ist Panzerschauen noch zeitgemäß?

Kind auf Panzer in Wien
Kind auf Panzer in Wien
In Österreich herrscht von 1945 bis heute die längste Friedensperiode in der Geschichte. Warum zum Kuckuck müssen am Nationalfeiertag schwere Kriegswaffen am Wiener Heldenplatz zur Schau gestellt werden?
Artillerie in Wien / Zum Vergrößern auf das Bild klicken Maschinengewehr - Wohin wird denn da gezielt? Kriegsgerät am Heldenplatz / Zum Vergrößern auf das Bild klicken

Der 26. Oktober ist der Nationalfeiertag in der Alpenrepublik, das lernt jedes Kind schon in der ersten Schulstufe. Gefeiert wird das Gesetz zur Österreichischen Neutralität, das im Jahre 1955 beschlossen wurde.

In der Präambel des Nationalfeiertagsgesetzes ist zu lesen:

Eingedenk der Tatsache, dass Österreich am 26. Oktober 1955 mit dem Bundesverfassungsgesetz BGBl. Nr. 211/1955 über die Neutralität Österreichs seinen Willen erklärt hat, für alle Zukunft und unter allen Umständen seine Unabhängigkeit zu wahren und sie mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen, und in eben demselben Bundesverfassungsgesetz seine immerwährende Neutralität festgelegt hat, und in der Einsicht des damit bekundeten Willens, als dauernd neutraler Staat einen wertvollen Beitrag zum Frieden in der Welt leisten zu können, hat der Nationalrat beschlossen:…

Gegen ein Neutralitätsgesetz und einen Feiertag gibt es grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber kann man einen Nationalfeiertag, speziell an einem so geschichtsträchtigen Platz wie dem Wiener Heldenplatz, nicht ohne die Präsenz von Tötungsmaschinen feiern?

Ist es gut zu heißen, wenn Besucher - darunter viele Kinder - sich von schwerem Kriegsgerät wie Panzern, Artilleriegeschützen, Maschinengewehren, … beeindrucken lassen?

Die zerstörerische Macht der Waffen sollte im Grunde bei jedem gesunden Menschen ein starkes Unbehagen auslösen, aber am 26.10. am Wiener Heldenplatz herrscht Volksfeststimmung: Kinder klettern auf Panzer, Touristen posieren vor Militärhelikoptern, Omas und Opas beobachten das Treiben, Mütter schieben Kleinkinder im Kinderwagen zwischen militärischem Gerät herum, Soldaten geben geduldig Auskunft über Leistungsmerkmale Ihrer Waffensysteme, dazwischen Reden und Militärmusik.

Aber eine Leistungsschau von Waffen ist nur dann in Ordnung, wenn im selben Atemzug die Folgen deren Einsatzes präsentiert werden. Plakate von zerbombten Dörfern, verstümmelten Körpern und brennenden Häusern daneben lassen Waffen ganz schnell an Faszinationskraft verlieren. Aber dann ist es nicht mehr kindertauglich.

Daher ein Appell: Keine Waffenschau am Heldenplatz!
Unter anderem auch den Menschen, die in den Neunzigern in Bosnien lebten, zuliebe.

Eine mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigende Neutralität kann auch anders gefeiert werden, wir leben im 21. Jahrhundert. Punkt.

Wir freuen uns über deine Meinung in einem Kommentar weiter unten!

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